Das INSM-Regionalranking 2009

Aufbau des Regionalrankings

  • Wie ist der Index des INSM-Regionalrankings zusammengesetzt?
  • Auf welchen Daten beruht das INSM-Regionalranking?
  • Welche Schätzungen, Standardisierungen und Berechnungen wurden vorgenommen?
  • Welche Gewichtung wurde vorgenommen?
  • Wie ist der Index des INSM-Regionalrankings zusammengesetzt?

    In das Ranking gehen insgesamt 39 Einzelindikatoren ein. Diese sind zu folgenden vier Bereichen zusammengefasst:

    • Wohlstand (Einkommen und Steuerkraft am Wohnort)
    • Arbeitsmarkt (Arbeitslosigkeit und Beschäftigung)
    • Standort (Arbeitskosten, Produktivität, Infrastruktur, Humankapital etc.)
    • Struktur (Wirtschaftskraft, sozio-ökonomische Struktur, öffentliche Haushalte)

    Die Bereiche werden in zwei Gruppen unterteilt. Unterschieden wird zwischen Zielgrößen und Einflussfaktoren, die mit einem Gewicht von je 50% in den Indikator eingehen.

    Zu den Zielgrößen zählen:

    • Wohlstand
    • Arbeitsmarkt

    Zu den Einflussgrößen zählen:

    • Standort
    • Struktur

    Die Unterscheidung ist notwendig, weil wichtige Einflussgrößen empirisch nicht direkt beobachtbar sind. Es gibt nach wie vor kein geschlossenes regionalökonomisches Modell, welches eine vollständige Spezifizierung zuließe. Diese ist jedoch notwendig. Um den Einfluss der Größen, die man nicht direkt beobachten kann, dennoch abbilden zu können, gehen die Zielvariablen stellvertretend mit einem Gewicht von 50% ein. Die Gewichte der Einflussfaktoren werden aus einer Mischung von ökonometrischen Analysen und Expertenschätzungen ermittelt. Dabei hilft ein Regressionsverfahren jene Faktoren zu suchen, die die Ausprägung der Zielgrößen erklären können. Die Gewichtung der einzelnen Bereiche sieht wie folgt aus:

    • Wohlstand: 25%
    • Arbeitsmarkt: 25%
    • Standort: 20%
    • Struktur: 30%

    Wohnortkonzept

    Wichtig zum Verständnis des Gesamtindikators ist es, dass bei den Zielvariablen ein striktes Wohnortkonzept verfolgt wird. Gefragt wird: Wie hoch ist das Einkommen je Einwohner? Wie hoch ist die Arbeitslosigkeit? Wie ist die Arbeitsplatzversorgung am Wohnort? Die Einkommen und die Wertschöpfung am Arbeitsort gehen nicht als Zielgrößen, sondern nur als Einflussvariablen in den Index ein. Dahinter steht folgende Vorstellung: Die Wirtschaftskraft an einem Standort ist eine erklärende Variable für die Höhe der Einkommen der Einwohner. Aus den Zielvariablen wurde ein Wohlfahrtsindex aus Wohlstand und Arbeitsmarktlage zusammengefasst. Diese Wohlfahrt am Wohnort ist eine Funktion der Einflussvariablen Standort und Struktur. Ziel- und Einflussvariablen werden additiv zu einem Gesamtindex zusammengefasst. Für alle Variablen wird eine Hypothese formuliert, wie eine Verbesserung oder Verschlechterung auf den Gesamtindex wirkt. Beispielsweise geht ein hohes Einkommen am Wohnort positiv, aber eine hohe Arbeitslosigkeit negativ in die Bewertung ein.

    Auf welchen Daten beruht das INSM-Regionalranking?

    Die empirische Grundlage des Rankings bildet eine Datenbank, die sich aus verschiedenen Quellen speist:

    • Öffentlich zugängliche Datenbanken und Recherche bei Statistischen Landesämtern (VGR der Länder, Statistische Bundes- und Landesämter, INKAR-Datenbank des BBR, Arbeitsmarktdaten der Bundesagentur für Arbeit, IAB-Beschäftigungsdaten, Sonderuntersuchungen, Literaturauswertung.
    • Sonderauswertungen (Lohn- und Gehaltssummen nach Arbeits- und Wohnortprinzip, FuE-Intensitäten, Demografie)

    Vielfach wurden öffentlich verfügbare Daten in interpretierbare Kennziffern umgerechnet. Gemessen an den Gewichten stammen rund drei Viertel der Daten aus öffentlichen Statistiken und knapp ein Viertel aus IW-Consult-Recherchen bzw. Sonderauswertungen.

    Welche Schätzungen, Standardisierungen und Berechnungen wurden vorgenommen?

    Nicht für alle Kreise liegen alle Daten vor. Das betrifft beispielsweise komplette Bundesländer, bei denen etwa die Indikatoren FuE-Intensität und den Gästeübernachtungen nicht vorliegen. Hier wurden entsprechende Schätzungen vorgenommen.

    Einige Daten lagen nicht in der notwendigen zeitlichen Aktualität vor. Diese Daten wurden mit geeigneten Verfahren auf den aktuellen Stand geschätzt. Die Schätzdauer beträgt höchstens zwei Jahre.

    Die in die Indizes einfließenden Daten haben sehr unterschiedliche Dimensionen. Um die Daten vergleich- und rechenbar zu machen, wurden alle Daten standardisiert.

    Die Einzelschritte der Berechnung:

    • Nach Auswahl eines Indikators wird auf Basis theoretischer Überlegungen dessen Wirkungsrichtung bestimmt, d. h. ob er den Gesamtindex positiv oder negativ beeinflusst.
    • Alle Werte werden, je nach Wirkungsrichtung, mit +1 oder –1 multipliziert und anschließend in eine Standardnormalverteilung mit dem Mittelwert null und einer Varianz von eins transformiert.
    • Diese standardisierten Werte werden in ein Punktesystem zwischen 0 und 100 transformiert. Die maximale Punktzahl von 100 bekommen alle Indikatoren mit einem Wert, der in einem Bereich des "Mittelwertes aller Großstädte plus 3 Standardabweichungen oder besser" liegt. Die minimale Punktzahl von null bekommt einen Indikator in einer Stadt mit einem Indikatorwert "Mittelwert aller Großstädte minus 3 Standardabweichungen oder schlechter". Dazwischen wird linear interpoliert.
    • Danach werden die Indikatoren mit ihrem spezifischen Gewicht belegt. Anschließend werden die gewichteten Punktzahlen addiert und zu einem Indikator zusammengefasst.
    • Der Mittelwert des Gesamtindikators (jeweils Niveau bzw. Dynamik) liegt konstruktionsbedingt bei 50.

    Welche Gewichtung wurde vorgenommen?

    Der Index setzt sich zu je 50% aus den Zielgrößen (Wohlstand und Arbeitsmarkt) und den Einflussfaktoren (Standort und Struktur) zusammen. In die Zielgröße Wohlstand geht die Kaufkraft zu 60%, das Einkommen anhand der am Wohnort gemessenen Bruttolohn- und Gehaltssumme je Einwohner zu 30% und der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer je Einwohner zu 10% ein. In die Zielgröße für den Arbeitsmarkt gehen die Arbeitslosenquote zu 80% und die Arbeitsplatzversorgung der Einwohner zu 20% ein. Diese Gewichte sind gesetzt.

    Die Gewichte für die Einflussfaktoren werden aus einer Mischung aus ökonometrischer Schätzung und Expertensystem ermittelt. Die ökonometrische Schätzung dient lediglich der Orientierung; dabei wird nicht der Anspruch erhoben, Wirkungszusammenhänge zu erklären. Ein solches vollspezifiziertes Modell zur Erklärung der regionalen Entwicklung gibt es nicht. Es wird lediglich versucht, Indikatoren zu finden, die mit den Zielvariablen in Zusammenhang stehen, d.h. möglichst hoch korreliert sind.

    Hierbei wurde in zwei Schritten vorgegangen:

    • Zunächst wurde eine Zielvariable aus den Indikatoren Einkommen und Arbeitsmarkt für jeden Kreis berechnet. Das ist die Größe, die auch in den Niveauindex eingeht.
    • Danach wurden mit Hilfe von multipler Regression Einflussfaktoren aus den Bereichen Standort und Struktur gesucht, die den Zielwert möglichst gut erklären können.

    Es werden dabei nur Variablen verwendet, deren Koeffizienten das erwartete Vorzeichen ausweisen und signifikant sind. In einem nächsten Schritt wurden die zwei (maximal drei) besten Variablen aus jedem Bereich ausgewählt. Die Kreise der neuen Länder werden nicht berücksichtigt, weil dort immer andere Strukturen und Niveaus vorherrschen, die den Vergleich verzerren.

    Folgende Variablen erfüllen diese Bedingungen:

    • Einkommen je Beschäftigtem am Arbeitsort (Wirtschaftskraft)
    • Struktureffekt der Beschäftigung (Wirtschaftsstruktur)
    • Lohn-Produktivitäts-Relation (Standort)
    • Ausbildungsnachfrage-Angebotsrelation (Standort)
    • Sozial- und Arbeitslosenhilfeempfänger je Einwohner (Struktur)
    • Straftaten je 100.000 Einwohner (Struktur)
    • Selbstfinanzierungsquote (Staat)

    Der Erklärungswert dieses Modells liegt bei etwa 82 %. Einschlägige Statistiken weisen keine all zu hohen Kollinearitäten aus. Aus den Beträgen dieser Variablen zum gesamten (unkorrigierten) Erklärungswert des Modells werden die Gewichte der Bereiche berechnet, wobei hier grob gerundet wird:

    • Standort: 40 %
    • Struktur: 60 %

    Die Beiträge der einzelnen Variablen zum Gesamterklärungswert des Modells wurden auch als Richtgröße für die Setzung der Gewichte auf der zweiten Ebene verwendet.

    Alle anderen Gewichte werden auf Basis von Experteneinschätzungen gesetzt. Dabei wurde eine Befragung von Wirtschaftsfördergesellschaften aus dem Frühjahr 2008 genutzt, um die Bedeutung der Standortfaktoren in der Praxis bewerten zu können.

    Die in der Schätzfunktion gefundenen Variablen werden im Gesamtindex stark gewichtet und übernehmen eine Leitfunktion für die jeweiligen Bereiche.

    Die Gewichte setzen sich in etwa zusammen aus:

    • 50 % gesetzten Gewichten der Zielvariablen,
    • 25 % Gewichte der Leitvariablen und
    • 25 % durch Expertenurteil ermittelte Gewichte.