Das INSM-Regionalranking 2009

Der wissenschaftliche Krisenrisikoindex

Das Regionalranking 2009 zeigt die aktuellen sozioökonomischen Strukturen der deutschen Kreise und Städte – den Ist-Zustand, was Arbeitsmarktlage und Wirtschaftsleistung, Lebensqualität und Wohlstand angeht. Zurzeit fragen sich die Wirtschaftsakteure in den Regionen aber auch, wie sich die weltweite Konjunkturkrise vor der eigenen Haustür auswirken wird. Deshalb veröffentlicht die INSM mit ihrem Regionalranking 2009 auch einen wissenschaftlichen Krisenrisikoindex: Dieser zeigt Trends auf, wo in den 409 untersuchten Kreisen und kreisfreien Städten die negativen Auswirkungen der Rezession zuerst und am deutlichsten zu spüren sein werden.

Der von Ökonomen der IW Consult GmbH, einer Tochter des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), erstellte Betroffenheits- oder Krisenrisikoindex besteht aus mehreren Teilbereichen.

  • Zum einen werden die gegenwärtigen und zukünftigen Entwicklungen des Arbeitsmarktes analysiert. Erfasst wurden in der Analyse auch die Zahl der Anträge auf Kurzarbeit sowie Veränderungen der Arbeitslosenquote und des Angebots offener Stellen.
  • Zum anderen wird auf Grundlage der Branchenstatistik untersucht, in welchen Bereichen die meisten Arbeitnehmer von den Folgen der Krise betroffen sein werden. Man hat zudem untersucht, in welchen Wirtschaftsbereichen in der Zeit von Dezember 2007 bis Dezember 2008 die stärksten Umsatzrückgänge zu verzeichnen waren und so krisengefährdete Branchen ermittelt.
  • Zudem haben die Ökonomen auch den Exportanteil der Wirtschaft auf regionaler Ebene in ihre Betrachtungen einbezogen. Wirtschaftsbereiche mit hohem Exportanteil haben in den vergangenen Jahren überproportional stark von der damals boomenden Weltkonjunktur profitiert. Sie werden voraussichtlich aber auch stärker als andere Wirtschaftsbereiche unter den Folgen des globalen Wachstumseinbruchs leiden.
  • Anschließend haben die Wissenschaftler auf der Ebene der 409 untersuchten Kreise und kreisfreien Städte erfasst, wie viele Arbeitnehmer in diesen Risikobranchen tätig sind.
  • In die Analyse integriert wurde auch eine Branchenprognose der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) Osnabrück, Professor Dr. Bernd Meyer.

Auf Basis der Ergebnisse dieser Analysen und der Prognose haben die Wissenschaftler alle untersuchten Kreise und kreisfreien Städte in fünf Risikoklassen eingruppiert. Die Skala reicht hier von:

Sehr schwach betroffen
Eher schwach betroffen
Durchschnittlich betroffen
Eher stark betroffen
Sehr stark betroffen

Hier finden Sie auch eine Übersichtskarte, die die voraussichtliche Krisenbetroffenheit farbig darstellt.

Tendenziell stärker durch die Konjunkturkrise gefährdet sind klassische Industrien mit hohem Exportanteil. Dazu zählen der Autobau inklusive Zulieferer, die Chemieindustrie und der Maschinenbau. So ist der Krisenrisikoindex in der Autoregion Kreis Böblingen sehr hoch. Ebenso in der von Chemieindustrie geprägten Stadt Ludwigshafen.

Tendenziell weniger gefährdet sind Hochtechnologieunternehmen beispielsweise der Medizintechnik. Ein Beispiel dafür ist die Stadt Erlangen, wo es einen starken Anteil dieser Unternehmen gibt.

Tendenziell weniger gefährdet sind alle Unternehmen, die Güter für die Binnenwirtschaft herstellen – zum Beispiel Lebensmittel. Dies ist eine Ursache dafür, dass weite Regionen in Ostdeutschland im Krisenrisikoindex weniger gefährdet sind, weil hier der exportstarke Industrieanteil bis auf wenige Leuchtturmregionen relativ gering ist - und damit auch die Anfälligkeit gegen Exporteinbrüche.

Gerade für die Wirtschaftsräume im Süden und Südwesten gilt aber, dass hier aufgrund des exportgeprägten hohen Industrieanteils der Wohlstand im Verhältnis zu anderen Regionen in Deutschland sehr hoch ist, wie das INSM-Regionalranking 2009 einmal mehr dokumentiert. Insofern ist deutlich zu machen, dass der Krisenrisikoindex relative Veränderungen aufzeigt. Umgekehrt ist davon auszugehen, dass im kommenden Aufschwung die jetzt weniger gefährdeten Regionen nicht so stark profitieren werden, wie Exportregionen.

Bestandteile des wissenschaftlichen Krisenrisikoindexes

Arbeitsmarkt:

  • Arbeitslosenquote (Veränderung auf Jahresbasis März 2008 zu März 2009)
  • Anträge auf Kurzarbeit (Anteil an allen SV Beschäftigten)
  • Veränderung der offenen Stellen zum Vorjahr (Veränderung auf Jahresbasis März 2008 zu März 2009)

Branchenstruktur:

  • Branchen mit den größten Umsatzrückgängen (Beschäftigungsanteil)
  • Branchen mit der höchsten Exportabhängigkeit (Beschäftigungsanteil)
  • Branchenprognose der GWS (Entwicklung der SV Beschäftigten von 2008 auf 2009)